„Aufstand der Anständigen – Flüchtlingsgeschichten“ heißt die Blogparade von Isabel Acker, an der ich mich aus aktuellem Anlass mit folgendem Beitrag gerne beteiligen möchte.

Fast täglich habe ich mit Flüchtlingen Kontakt, kenne die Geschichten einiger und möchte heute einmal die aktuelle Flüchtlingsthematik von beiden Seiten veranschaulichen.

Beginnen werde ich mit einer im Internet gefundenen Abhandlung, welche ich an dieser Stelle sehr passend finde:

Im Fach Sozialwissenschaften hielt ein Professor ein schwarzes Buch hoch und sagte: „Dieses Buch ist rot!“ Die ganze Klasse protestierte und rief: „Nein!“ Der Professor beharrte darauf und sagte: „Doch, ist es!“ Die Klasse wiederholte: „Das ist nicht richtig!“ Er drehte das Buch herum und die Rückseite war rot. Der Professor blickte in die beschämten Gesichter und meinte: „Sage niemals jemandem, er liege falsch, solange du die Dinge nicht aus seiner Perspektive gesehen hast!“

Flüchtlinge sind willkommen! Nicht nur in Wertheim, wo dieses Foto entstand…

Flüchtlinge sind willkommen! Nicht nur in Wertheim, wo dieses Foto entstand… (Quelle: Pixabay).

Perspektive 1 stellt nun eine syrische Familie (Fam. SYR), Perspektive 2 eine deutsche (Fam. GER), dar.

Im Heimatland von Fam. SYR herrscht Krieg. Seit Wochen leben sie in Angst und Ungewissheit. Stündlich hören sie von neuen Anschlägen und befürchten, dass auch ihr kleines Städtchen bald betroffen sein könnte. Eines Nachts geschieht das Unvermeidbare: die Stadt gerät in den Fokus einer Auseinandersetzung zwischen Truppen der Regierung und Kämpfern einer Oppositionsgruppe. In der Ferne hören sie Schüsse, sehen Feuer und Explosionen. Die Nachbarn haben schon vor einigen Tagen ihre Sachen gepackt und nun ist sich auch Fam. SYR gewiss: um zu überleben, müssen sie fliehen!

Sie haben nicht viel Zeit, suchen das Nötigste zusammen und machen sich auf den Weg. Doch wohin sollen sie eigentlich? Die Türkei? Diese wird von Flüchtlingen überflutet. Menschen hausen dort zu unwürdigen Bedingungen. Sie haben 3 Kinder, deren Wohl das Wichtigste ist, weshalb die Türkei keine wirkliche Option ist. Sie müssen weiter nach Europa.

Serben, Albaner und Griechen wandern selbst Richtung Nordwesten aus, ist es dort also wirklich sicher? In Deutschland soll gut für ihre Kinder gesorgt werden, haben sie gehört. Auf der Suche nach Sicherheit und menschenwürdigen Zuständen macht sich Fam. SYR also auf den Weg nach Deutschland.

Fam. GER wird täglich von den Nachrichten über die Zustände in Syrien informiert. Was sie zu sehen bekommen, sind allerdings weniger die Bilder der Zerstörung. Vielmehr sehen sie unkontrollierte Flüchtlingsströme, verstopfte Grenzübergänge, überforderte Behörden und Beiträge zu steigender Kriminalität in den Zufluchtsländern. Auch ihnen ist das Wohl ihrer Familie am Wichtigsten, weshalb sie die aktuellen Geschehnisse hinterfragen, nicht alles gutheißen und ihre Meinung in die Flüchtlingspolitik einbringen möchten.

Dass in Kürze mehrere hundert Flüchtlinge in der naheliegenden Sporthalle untergebracht werden sollen, wird unterschiedlich aufgefasst. Enge Freunde halten es für eine „super Sache“, da Menschen, die alles verloren haben, geholfen wird.

Bei Fam. GER herrscht jedoch vor allem eins: Ungewissheit. Was sind das für Menschen? Sind es Familien wie sie, die nur eine sichere Zuflucht suchen? Wollen sie sich integrieren? Oder werden da womöglich gerade Kriminelle mit fragwürdigen religiösen Ansichten in ihrer Nachbarschaft einquartiert? Natürlich möchten sie Kriegsflüchtlingen helfen, haben aber gleichzeitig Angst vor medial verbreiteten Horrorszenarien.

Die unterschiedliche Perspektive erklärt die Reaktionen der Menschen

Blogparade FlüchtlingeDie beiden Familien stammen aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen und haben doch das gleiche Grundbedürfnis: Sicherheit. Würde in Deutschland Krieg herrschen und Syrien den vielversprechendsten Ausweg darstellen, würde Fam. GER dann nicht auch nach Syrien flüchten wollen? Und würde Fam. SYR im Zuge dessen nicht auch um ihre eigene Existenz bangen?

Beide Protagonisten haben also eigentlich nur Angst und den Wunsch nach Sicherheit. Gerade in Ausnahmesituationen wie dieser, lässt sich unser Sicherheitsbedürfnis wohl am ehesten befriedigen, indem man sich in die Situation des Anderen versetzt. Ein gegenseitiges aufeinander Eingehen kann Ängste bereits im Keim ersticken, Vorurteile ausräumen und ein angenehmes Zusammenleben ermöglichen.

Sicher, in jeder Gesellschaft gibt es schwarze Schafe. Aber die breite Masse bilden auch hier die Anständigen, die, die an der aktuellen Situation vollkommen unschuldig sind. Jeder von uns sollte also erst einen Perspektivwechsel vornehmen, bevor voreilige Schlüsse gezogen werden.

Bewertungen: